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Warum Anleger selten eine angemessene Rendite erzielen

Jeder Zahnarzt ist neben seiner beruflichen Passion auch Unternehmer. Daher wird er seinen Praxiserfolg unter anderem an der Umsatzrentabilität festmachen. Auch bei der Geldanlage ist die Rendite letztendlich entscheidend. Allerdings muss man sich bei der Geldanlage ebenfalls an Regeln und Abläufe halten.

Davor Horvat ist unabhängiger und staatlich zugelassener Honorar-Anlageberater und wird in einer mehrteiligen Artikelserie die typischen Anlegerfehler aufzeigen und eine Anleitung für ein erfolgreiches Investieren geben.

Der Zahnarzt möchte mit seiner Praxis am Ende eines Wirtschaftsjahres eine angemessene Rendite erzielen. Diese liegt bei durchschnittlich 33 %. Investoren und Anleger können sich nun nicht an einer Zahnarztpraxis beteiligen, aber weltweit an etwa 12.000 öffentlich gehandelten Unternehmen oder Aktiengesellschaften, deren Gemeinsamkeit die Gewinnerzielung ist.

Anleger sind also bestrebt, mit ihren Beteiligungen an diesen Unternehmen Erträge bzw. Renditen zu erzielen, um damit ihr Vermögen zu vermehren. Der einfachste und direkte Weg, um an Unternehmenserfolgen und -gewinnen zu partizipieren, ist der Kauf von Aktien. Langfristig können Investoren hier die höchsten Renditen erzielen und ihr Vermögen vervielfachen. Der Weg und die Regeln, wie Anleger am Aktienmarkt erfolgreich sein können, sind dann nicht so schwer, wenn man diese kennt und letztendlich richtig anwendet.

Nur geringe Renditen nach Kosten

Um in den Genuss der Kapitalmarktrenditen zu gelangen, investieren Anleger in der Regel über diverse Finanzprodukte, die sie von ihren Bank- und Finanzberatern vermittelt bekommen haben. Mit diesen Finanzprodukten sollen Anleger in den globalen Wirtschaftskreislauf investieren und ebenfalls ihr Vermögen vermehren. Allerdings beschränken sich diese Produktkreationen nicht auf eine kleine Auswahl einfacher und effizienter Lösungen, sondern auf tausende Produktmöglichkeiten, die in der Regel oft kompliziert aufgebaut, teuer und sehr intransparent sind. Die Finanzindustrie packt um die traditionellen Anlageklassen in der Regel eine teure Hülle wie Zertifikate, Fonds, Versicherungen etc. und verkauft sie über ihre Vertriebsstrukturen an Anleger weiter. Nach Produktkosten erzielen Anleger damit Renditen, die letztendlich deutlich unter der möglichen Marktrendite liegen.

Viele Anleger bemerken dann im Laufe der Zeit, dass das, was man ihnen verkauft hat, nicht funktioniert, und sie trennen sich oft mit erheblichen Verlusten. Sie glauben am Ende, dass Renditen nicht existieren, und suchen nach vertrauenswürdigen alternativen Anlagen bei Geldanlagen, die außerhalb des etablierten Finanzsektors agieren.

Verständnisfehler führen zu falschen Vorstellungen

Einige Anbieter wollen eine sozial nützliche Technologie fördern, z. B. Stromgewinnung durch Windenergie. Oft werden die hieran interessierten Anleger von eloquenten Firmengründern und deren geschultem Vertriebspersonal zur Investition überredet. Dabei können die Anleger oftmals – nicht mal ansatzweise – nachvollziehen, wie derartige Geschäftsmodelle funktionieren, und begründen dies meist mit fehlender Finanzbildung.

Jüngste empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass Finanzbildung als Bestimmungsursache für finanziellen Erfolg nur eine untergeordnete Rolle spielt, möglicherweise sogar gar keine. Die Hauptursache ist, dass die überwiegende Anzahl von Anlegern – und dies schließt sowohl die meisten privaten als auch viele institutionelle ein – Geld anlegt, ohne zu hinterfragen, wie der ökonomische Mechanismus funktioniert, der ihnen eine spätere Rückzahlung oder hohe Rendite ermöglichen und sichern soll. Vielen Anlegern fehlt eher ein grundlegendes Verständnis vom Geschäft, von der Art und Weise, wie man Geld verdient. Dies ist etwas anderes als fehlende Finanzbildung. Vielmehr geht es um die Einsicht, wie Kapitalismus funktioniert. Grundlegende Finanzbildung, also das Wissen darum, was Aktie, Anleihe oder Sparbuch sind und wie Zinseszinseffekte oder Risikostreuung funktionieren, sollte dennoch nicht schaden.

Überschätzungen führen zu falschen Handlungen

Gerade auch gut ausgebildete Anleger und vor allem Anlage- und Finanzberater neigen dazu, ihre eigenen Kenntnisse gegenüber den übrigen Investoren massiv zu überschätzen. Berater haben deshalb die unangenehme Angewohnheit, ihren Kunden Produkte mit komplexen Risiken zu empfehlen, die selbst sie als angeblicher Finanzexperte gar nicht verstehen und einschätzen können.

Um Finanzanlagen zu beurteilen, die unternehmerische Risiken beinhalten, reicht es nicht aus, die dahinter stehende Finanzmathematik zu begreifen. Man benötigt Kenntnisse über die Funktionsweise von realen Märkten; man muss verstehen, warum Produkte erfolgreich sind und was möglicherweise mit ihnen schiefgehen kann. Hierüber haben die meisten Finanzexperten weniger Kenntnisse als so mancher Handwerkermeister, geschweige denn viele Privatanleger. Aber nicht nur das Wissen um Mechanismen und Fallstricke des Geldverdienens ist bei vielen „Experten“ mangelhaft. Selbst angeblich führende Ökonomen vergessen oft, dass Konjunktur- Verläufe, die Rohstoffpreise oder Technologietrends zyklischen Mustern folgen. Sie springen gerne auf Investmenttrends auf, die nach einer gewissen Erfolgsphase vor einer spekulativen Überhitzung stehen, womit große Verluste vorprogrammiert sind.

Schnäppchenjagd bei der Geldanlage

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum „mehr“ Finanzbildung wenig nützt: Viele Anleger verhalten sich beim Kauf ihrer Finanzprodukte ganz ähnlich wie Konsumenten beim Erwerb von Gebrauchsartikeln. Sie sehen die Geldanlage als eine Art Entertainment, vertrauen blind bekannten Markennamen, haben eine ausgeprägte Tendenz zur Schnäppchenjagd und lassen sich leicht in Verkaufsgesprächen beeindrucken. Einer der grundlegenden Denkfehler der Ökonomie ist, das Sparen und Investieren von Privatleuten – vor allem als in die Zukunft verschobenen Konsum – zu betrachten. Dann nämlich wäre eine Anlageentscheidung ein nüchternes Kalkül, bei dem die Ziele klar sind sowie Chancen und Risiken abgewogen werden. Tatsächlich hat der Bedarf an Geldanlagen vor allem damit zu tun, dass viele Menschen mehr Geld haben oder verdienen, als sie mit Konsum von Produkten oder Dienstleistungen ausgeben wollen. Die Geldanlage dient als Mittel des Konsums von Überschussliquidität und wird hauptsächlich bei selbstständig Tätigen beobachtet. Die Konsequenz ist, dass die Risiken von hochrentablen Anlagen verdrängt werden und oft überhastet investiert wird. Weiterhin fühlt sich der Schnäppchenjäger viel schlauer als die übrige Anlegerschar („… ich bekomme 3 % mehr als die andere Anleger mit ihrer Bundesanleihe …“), was ihm zwar unmittelbar Nutzen stiftet, die spätere Konfrontation mit der Realität aber nur umso bitterer macht.