Honorarfinanz Mobile Menu

Category Archive: Allgemein

  1. 100.000 Euro intelligent und rentabel anlegen

    Leave a Comment

    Als Privatanleger erfolgreich Erspartes anzulegen, erscheint angesichts niedriger Zinsen als seltene Kunst. Doch mittels Analyse, weiter Streuung und Konsequenz können Anleger durchaus lohnende Gewinne erzielen – bei moderatem, selbst festgelegtem Risiko. Finanzexperte Davor Horvat erläutert, wie eine Anlageplanung professionell durchgeführt wird.

    Angenommen, man steht vor dem Luxusproblem 100.000 Euro sinnvoll langfristig anlegen zu müssen. Die Möglichkeiten erscheinen auf den ersten Blick beschränkt: Tagesund Festgeldkonten werfen seit Jahren kaum noch Erträge ab. Die Zinsen sind unter ein Prozent gefallen und werden von der Inflation überholt. Angespartes dezimiert sich auf diese Weise. Der Immobilienkauf ist auch keine gute Alternative, da eine lukrative Immobilie kaum für 100.000 Euro erworben werden kann. Aktien erscheinen zu riskant und Sachwertbeteiligungen binden das Geld auf viele Jahre. Wie also kann man sein Geld gleichzeitig rentabel, flexibel und auch noch kosteneffizient anlegen?

    Anlegen lassen oder selbst anlegen?

    Nicht nur die Frage nach der Anlageart stellt sich, sondern auch jene nach dem Akteur: So sind manche Geldanlagen mit enormen Renditeversprechen verbunden. Wenn daran jedoch Versicherungen, Banken, Fondsgesellschaften etc. mitverdienen, schrumpft die Rendite nach Kosten so weit zusammen, dass Anleger oftmals mit einem Tagesgeldkonto nicht viel schlechter gefahren wären.

    Um dies zu vermeiden, kann man sein Geld in die eigenen Hände nehmen. Aktuelle Studien belegen zwar, dass Anleger als Selbstentscheider selten Anlageerfolge verbuchen. Die Studien sagen aber auch, dass sie nicht besser oder schlechter als Fondsmanager abschneiden [1]. Um erfolgreicher als der Großteil aller Vermögensverwalter das eigene Geld zu vermehren, bedarf es einer gewissen Technik, die im Folgenden erläutert wird.

    Schritt 1: Risikobereitschaft überdenken

    Konservativ oder risikobereit? Um diese Frage zu beantworten, sollte man auch die Lebensplanung einbeziehen: Was ist das konkrete Ziel dieser Investition? Ist es die Versorgung im Alter? Oder soll mit dem Geld in wenigen Jahren eine Investition oder etwa die Ausbildung der Kinder finanziert werden? Vom geplanten Einsatz der finanziellen Mittel hängt es ab, wie lange man auf das Geld nicht angewiesen ist und die Investition laufen kann. Dazu kommt der Faktor, welchen maximalen Verlust man zwischenzeitlich emotional verkraften kann. Daraus ergibt sich die konkrete Risikotoleranz, welche das Anlageergebnis mitbestimmen wird. Die Höhe des Risikos eines Portfolios ergibt sich aus dem Verhältnis von risikobehafteten Anlageklassen (Aktien/Rohstoffe), zu risikoarmen Anlageklassen (Anleihen/Geldmarkt). Je mehr Risikoanteil man wählt, umso höher kann die langfristige Rendite ausfallen.

    Schritt 2: Anlageklassen definieren

    Nehmen wir an, die Hälfte des Geldes soll in risikobehaftete Anlageklassen investiert werden. In der Umsetzung muss man sich entscheiden, wie das Portfolio geographisch gewichtet werden soll. Zu empfehlen ist ein weltweiter Aufbau des Portfolios. Zu berücksichtigen sind in dieser Streuung Nordamerika und Kanada, die Schwellenländer Südamerikas, Russland, China, Indien u. a., Europa, Japan und die Pazifik-Region mit Australien, Neuseeland, Hong Kong und Singapur. Die Gewichtung der einzelnen Länder erfolgt entweder auf Basis der Marktkapitalisierung* (Börsenkapitalisierung) oder auf Basis des Bruttoinlandsproduktes der Länder (Produktivität). Ist die Länderallokation** gewichtet, müssen im nächsten Schritt die Risikofaktoren bestimmt werden, die für die langfristige Rendite verantwortlich sind. Kleine Aktienunternehmen (Small Cap) haben eine höher zu erwartende Rendite als große Unternehmen (Large Cap) und preiswerte Unternehmen (Value) haben eine höhere Rendite als Wachstumswerte (Growth). Solche langfristigen Renditetreiber sollten anteilig im Portfolio erfasst werden. Die restlichen 50 % des Kapitals sollten so investiert werden, dass das Portfolio gegen hohe Verluste abgesichert ist, d.h. in kurzlaufende Staats- und Unternehmensanleihen mit hoher Bonität. Im Ergebnis hat man ein breitgestreutes „Weltportfolio“ als Grundgerüst geschaffen.

    Schritt 3: Marktindizes anschauen

    Statt dieses Weltportfolio mit einer Vielzahl von Einzelaktien und Anleihen auszustatten, bietet es sich an, in Indizes (= Wertpapierkorb) zu investieren, die einen ganzen Markt repräsentieren. So basiert beispielsweise der S&P 500 auf den 500 größten Unternehmen der USA. Der Index bildet die Wertentwicklung dieses Marktes nach und dient Anlegern oder Fondsmanagern als Vergleichsmaßstab. Solche Indizes gibt es auf Aktien, Anleihen, Rohstoffe und spezielle Sektoren, Branchen etc. In unserem Beispiel würde sich z. B. neben dem USA-Index, ein Index auf Schwellenländer-, Europa-, Japan- und Pazifik- Aktien sowie auf Small Cap- und Value-Aktien anbieten. Für den risikoarmen Teil sind Anleihen-Indizes auf europäische Staats- und Unternehmensanleihen ratsam.

    Schritt 4: Indexfonds wählen

      • Tab. 1: Beispiel für ein Weltportfolio.


    Tab. 1: Beispiel für ein Weltportfolio.

    Im nächsten Schritt wählt der Anleger die passenden Produkte (Instrumente), um das Weltportfolio umzusetzen. Aktiv gemanagte Fondslösungen auf diverse Länder, Sektoren etc. sind eine vermeintlich einfache Lösung. Mischfonds nehmen eine Streuung auf einzelne Länder und eine Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen vor. Allerdings verursachen Fondsmanager durch ihre hohen Aktivitäten enorme Kosten und bleiben am Ende in der Regel deutlich unter der Rendite des Vergleichsmarktes (Index).

    In den Index selbst kann man sein Geld nicht anlegen, aber in einen börsengehandelten Indexfonds (ETF), der sich an diesem Index orientiert. Der Vorteil dabei ist, dass der ETF keine Kosten durch Fondsmanager erzeugt und dem Anleger somit einen günstigen Zugang zum Kapitalmarkt gewährt. Ein ETF auf den amerikanischen S&P 500 Index kostet z. B. 0,07 % pro Jahr, was bei 10.000 Euro Anlagesumme 7 Euro Kosten pro Jahr verursacht. Dem Anleger stehen in Deutschland aktuell weit über 1.000 ETFs zu Verfügung. Um ein Weltportfolio perfekt konstruieren zu können, braucht man ca. 8 bis 10 solcher ETFs, jeweils für die gewählten Länder und Sektoren. Bei der Auswahl der ETFs müssen Anleger allerdings auf diverse Kriterien achten. Neben den Kosten sind auf die Größe, die Replikationsmethode, Währung, Ausschüttung etc. zu achten. Wie ein Weltportfolio aussehen könnte, zeigt Tabelle 1. Im Ergebnis erzielt der Anleger eine maximale Streuung seines Vermögens bei geringen Verwaltungsgebühren. Diese liegen bei ca. 0,32 % pro Jahr; das sind bei 100.000 Euro 320 Euro pro Jahr laufende Gebühren.

    Schritt 5: Portfolio kaufen

    Um das Weltportfolio zu kaufen, benötigt man eine Depotbank. Hier haben sich günstige Direktbanken bewährt, wie comdirect, Flatex, Consors etc., die durch ihre günstigen Bewirtschaftungskosten punkten. Die meisten Direktbanken bieten das Depot sogar kostenfrei an. Die Orderkosten für 100.000 Euro betragen einmalig bei Kauf ca. 50 Euro. Alternativ kann das Weltportfolio auch über einen sogenannten Depotersatz bei speziellen Versicherungsanbietern gekauft werden. Solche „Nettopolicen“-Anbieter sind provisionsfrei und haben geringe laufende Kosten. Der Vorteil gegenüber einem Direktdepot ist die steuerliche Optimierung und das Umgehen der Abgeltungssteuer. Diese Gestaltung kann vor allem dann Sinn machen, wenn das Geld erst ab dem Rentenalter benötigt wird.

    Schritt 6: Diszipliniertes Rebalancing

    Fondsmanager und Vermögensverwalter werden dafür bezahlt, dass sie durch geschicktes Market-Timing*** und Stock-Picking**** eine Überrendite gegenüber dem Markt erzielen. Leider belegen jährliche Studien [1], dass es nur den wenigsten gelingt, dies umzusetzen. Sie bleiben nach Kosten deutlich unter der Marktrendite und erwirtschaften für Anleger kaum einen nennenswerten Mehrwert. Das Weltportfolio benötigt dagegen so gut wie kein aktives Eingreifen, denn man will als Anleger die weltweite Marktrendite bei möglichst geringen Kosten erzielen. Allerdings wird sich die Risikogewichtung, in unserem Beispiel 50:50 aufgrund von Markbewegungen verschieben. Steigt z. B. der Aktienanteil innerhalb eines Jahres auf 60 %, so stimmt dieser nicht mehr mit der vorher festgelegten Risikobereitschaft überein. Somit muss man als Anleger ein jährliches Rebalancing des Portfolios vornehmen. Dabei werden die Anlageklassen, die stark an Wert gewonnen haben, anteilig verkauft und Anlageklassen, die an Wert verloren haben, zugekauft. Diszipliniertes Rebalancing reduziert langfristig somit die Risiken und erhöht die Renditechancen.

    Welche Renditen man erwarten kann

    Da die Marktrenditen von Aktien und Anleihen empirisch messbar sind, können sich Anleger daran gut orientieren. Ein Weltportfolio mit einem 50 %igen Aktienanteil hat im Schnitt eine Rendite von 4,5 bis 6 % pro Jahr. Verlustphasen können in dieser Konstellation zwischenzeitlich bis zu ca. 16 % betragen. Vergangenes Jahr haben Anleger mit ihrem 50:50 Weltportfolio z. B. 7,53 % Rendite erzielt. Seit 1999 bis einschließlich 2016 lag die Rendite bei ca. 6,70 % pro Jahr und aus 100.000 Euro sind heute ca. 320.000 Euro geworden und dies trotz diverser Krisen.

    Fazit

    Allerdings gibt es einen Haken bei dieser Art des Investierens. So leicht die Vorgehensweise auch klingen mag, so schwierig ist es, über Jahrzehnte diszipliniert in einem Portfolio zu bleiben. Eine aktuelle Studie der Goethe- Universität, Frankfurt, mit 7.000 Privatanlegern hat aufgezeigt, dass diese mit einem selbstgebauten ETF-Portfolio am Ende schlechter abgeschnitten haben, als Anleger ohne ETFs. Der Grund: Privatanleger haben ETFs für aktive Anlagestrategien missbraucht, wurden also zum aktiven Fondsmanager. Die Regeln des Investierens haben wir deshalb in den vorherigen Ausgaben der ZMK beleuchtet (Die Artikel können auf www.zmk-aktuell.de nachgelesen werden). Nur wer diese „einfachen“ Regeln einhält, wird am Ende eine positive Investmenterfahrung machen.

    [1] http://www.capital.de/investment/etfs-diebedeutung-wird-weiter-zunehmen-9363.html http://www.american.edu/kogod/research/upload/The_Dark_Side_of_ETFs_and_Index_Funds.pdf
    [2] http://www.fundresearch.de/Nachrichten/Top-Themen/Nur-Top-Fonds-schlagen-die-Benchmark.html

    * Marktkapitalisierung eines Landes ist dabei als der Gesamtwert der in diesem Land an der Börse gehandelten Unternehmen zu verstehen.
    ** Länderallokation: Verteilung des Vermögens auf die verschiedenen Länderdomizile.
    *** Market-Timing: Eine Anlagestrategie, die versucht, durch die Bestimmung günstiger Zeitpunkte für den Ein- und Ausstieg bei einem Wertpapier einen Ertrag zu erzielen.
    **** Stock-Picking: Eine Anlagestrategie, die darauf basiert, Aktien zu erwerben, die sich besser entwickeln als der Gesamtmarkt.

  2. 5 Schritte zur privaten Altersvorsorge

    Leave a Comment

    Altersvorsorgeplanung  muss nicht kompliziert sein. Letztendlich langt es, sich auf die Beantwortung weniger Fragen zu konzentrieren. Wer die folgenden fünf Fragen für sich beantworten kann, hat bereits die wichtigsten Schritte der Altersvorsorge-Arbeit getan

    1.Was sollte ich monatlich zurücklegen?

    Ganz grob gilt: Angestellte sollten ca. 20 Prozent ihres Nettolohns, Selbständige 20 Prozent ihres Bruttolohns auf die Seite sparen. Das ist aber wirklich nur ein grober Richtwert. Wer wirklich gezielt sparen möchte, der muss für sich festlegen, welches Einkommen er im Alter nach Steuern und Krankenversicherung zur Verfügung haben will. Die Erstellung einer Einnahmen – Ausgaben Bilanz ist hier sinnvoll.

    Auf der Einnahmenseite stehen evtl. die gesetzliche Versorgung, bereits vorhandenes Vermögen, Immobilien und alle sonstigen Vermögenswerte, die man im Alter zu Einkommen umwandeln kann. Auf der Ausgabenseite muss man sich überlegen, welche Ausgaben im Alter einen erwarten. Lebt man zur Miete oder im Eigenheim? Die Nebenkosten für die Unterkunft fallen in beiden Fällen an. Die Kosten für die Krankenkasse sind wichtig, besonders bei privaten Krankenversicherungen steigt mit der Zeit der Beitrag. Welchen monatlichen Betrag benötigt man für den Lebensunterhalt inkl. Urlaub und Freizeit?

    Wenn man festlegt, wie viel man sparen möchte,  sollte man außerdem an Steuern und Inflation denken. Insbesondere die Inflation unterschätzen viele. Als Faustregel gilt, dass das Geld jedes Jahr rund 2 Prozent an Wert verliert. Diesen Verlust sollte man beim sparen einberechnen.

    Ziel dieser Fragestellung: Welche Einkommen brauche ich im Alter?

    2.Welche staatliche geförderte Altersvorsorge macht Sinn?

    Eine staatlich geförderte Altersvorsorge hat immer zwei Seiten. Bei subventionierten Verträgen spart man bis zur Rente zwar Steuern und evtl. Sozialabgaben. Die Quittung kommt dann allerdings im Alter: Dann werden diese Verträge mit staatlicher Förderung oft nachträglich besteuert. Das kann sich trotzdem oft lohnen, weil die Steuerlast im Alter oft niedriger ist als während des Erwerbslebens.

    Die verschiedenen Vorsorgeschichten heißen zum Beispiel Rürup, Riester, betriebliche Altersvorsorge oder private Rente und sind alle in irgendeiner Weise vor Besteuerung geschützt. Ein richtiger Vergleich ist nur möglich, wenn man einerseits weiß, welche Vorsorgeform für einen überhaupt in Frage kommt. Eine Rürup lohnt sich in der Regel eher für Besserverdiener. Die Riester-Rente gibt es zum Beispiel nur, wenn man in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt oder Beamter ist. Betriebliche Altersvorsorge muss individuell auf die persönliche Situation berechnet werden. Andererseits sollte man auch ungefähr wissen, wie hoch die Steuerlast heute und wie hoch sie wahrscheinlich in der Rentenzeit sein wird.

    Ziel dieser Fragestellung: Welche Förderung kommt für mich in Frage?

    3. Wie gestalte ich den Sparprozess?

    Wie möchte man sein Geld einzahlen: möglichst regelmäßig oder nach Lust und Laune? Je eher man bereit ist, sich zu einem regelmäßigen Sparen zu verpflichten, desto eher wird man sein Vorsorgeziel erreichen. Über Versicherungslösungen wird man somit zur Disziplin bei der Einzahlung gezwungen, was übrigens eines der zentralen Geheimnisse des Vermögensaufbaus ist.

    Für Rürup-Renten bieten sich Zuzahlungen an. Die Riesterrente und die meisten betrieblichen Altersvorsorgepläne sind  dagegen auf einen maximalen Einzahlungsbetrag gedeckelt. Für viele ist eine flexible Geldanlage sehr wichtig, insbesondere bei der Einzahlung. Am besten dafür geeignet sind Wertpapiersparpläne, hier können völlig frei die Höhen und die ein Einzahlungsmodalitäten gestaltet werden.

    Ziel dieser Fragestellung: kann ich mich auf einen festen Sparbetrag festlegen.

    4. Wie flexible soll mein Altersvorsorgeplan sein?

    Eigentlich braucht man während der Ansparung zwischendurch keine flexible Auszahlung. Aber wie sieht es aus, wenn sich die Lebenssituation plötzlich drastisch verändert? Eine Krankheit dazu führt, dass man vorzeitig auf sein Geld abgewiesen ist?

    Nicht alle Vorsorgeformen erlauben in so einem Fall eine flexible Auszahlung. Aus der Rürup-Rente lässt sich während der Laufzeit überhaupt nichts auszahlen, aus der betrieblichen Altersvorsorge nur, wenn man die Förderung zurückzahlt. Beim Riester gilt dasselbe, es sei denn, man investiert das Geld in eine Immobilie.

    Staatliche Förderung hat also vor allem dann ihren Preis, wenn man zwischendurch eine flexible Auszahlung braucht. Allerdings hat es auch was Gutes, wenn man nicht so einfach an das Ersparte kommt. Es erleichtert die Spardisziplin und schützt das Vermögen. Deshalb sollte man existenzielle Risiken über spezielle Versicherungen abschließen.

    Ziel dieser Fragestellung: Wie hoch soll die „Verfügbarkeitsquote“ des Geldes sein?

    5. Welche Risikobereitschaft habe ich?

    Gerade deutsche Anleger haben eine starke Angst vor Anlagerisiken. Das kann man daran erkennen, dass die Aktienquote hierzulande sehr viel niedriger ist als zum Beispiel in den USA. Mit der richtigen Anlagestrategie lässt sich das Risiko von Aktien gut kontrollieren. Wichtig dabei ist, seine eigene Risikobereitschaft zu kennen.

    Um die eigene Toleranz für das Anlagerisiko einzuschätzen zu können, hilft folgende  Überlegung: Wie viel zwischenzeitlichen Wertverlust kann man aushalten, ohne am Ende die Strategie zu verlassen? Bekommt man schon bei minus 10 Prozent Angst und stellt das ganze Portfolio um? Oder würde man auch minus 30 Prozent aushalten und stattdessen sogar günstig nachinvestieren?

    Die Frage nach dem Anlagerisiko vor der Anlageplanung zu beantworten, ist letztendlich für den Erfolg entscheidend. Denn wer zwischenzeitlich doch Angst bekommt und das Portfolio einfach umschichtet, verliert mit größerer Wahrscheinlichkeit Geld als der, der die Schwächephase der Aktien aussitzt und auf steigende Kurse wartet.

    Ziel der Fragestellung: Welches Risiko soll mein Anlagekonzept haben?

    Wenn Sie diese fünf Fragen für sich beantwortet haben, dann kann es jetzt weiter mit der Altersvorsorgeplanung gehen. Sie können jetzt auf Produktsuche gehen. Unterstützung kann man sich übrigens bei diesem gesamten Prozess bei einem unabhängigen Honorar-Anlageberater einholen. Achten sie dabei auf die gesetzliche Zulassung. Denn Honorarberater ist nicht gleich Honorarberater.

  3. Warum zu viel Aktionismus schadet

    Leave a Comment

    Auch wenn es für viele Anleger nur schwer zu akzeptieren ist: Die Kapitalmärkte sind insoweit effizient, dass Spekulationen dem normal informierten Privatanleger mehr schaden als nutzen. Neben der mangelnden Diversifikation sind hohe Aktivitäten für die Rendite der Geldanlage schädlich. Wie also lautet das Gegenmittel?

    Anleger wollen logischerweise ihr Geld vermehren und besser abschneiden als der Markt. Damit das klappt, muss man vermeintlich aktiv in die Verwaltung seines Geldes eingreifen. Gemäß einer Studie von Prof. Andreas Hackethal, der zwischen 2005 und 2015 über 40.000 Anlegerdepots untersuchte, verändert der typische Anleger auf Jahressicht 24 % seines Portfolios; bei besonders handelsfreudigen Anlegern liegt die Umschlagsrate sogar bei 56 % und 5 % der aktivsten Anleger krempeln ihr Depot sogar zweimal pro Jahr komplett um.

    Gebracht hat das leider nichts – im Gegenteil: Je mehr die Depotbesitzer agierten, desto schlechter war ihr Anlageergebnis. Im Schnitt verringerte sich die Depotrendite um 0,9 %-Punkte pro Jahr. Bei besonders aktiven Anlegern waren die Einbußen sogar noch höher. Sie verloren durch ihre ständigen Aktivitäten 3,3 %-Punkte jährlich.

    Wer dies vermeiden wollte, vertraute sein Geld Fondsmanagern und Vermögensverwaltern an, im Glauben darauf, dass diese es natürlich besser können. Allerdings wird deren Können oftmals überschätzt, was diverse jährlich durchgeführte Studien belegen. Hohe Aktivitäten sind also allgemein für die langfristige Rendite schädlich. Dabei spielen vor allem auch die Handelskosten, die durch hohe Aktivitäten entstehen, eine entscheidende Rolle.

    Ein Lotteriespiel

    Der Versuch, den Markt zu übertreffen, ist kostspielig. Die Vorgehensweise ist mit einer Lotterie vergleichbar, deren Teilnahme ebenfalls nicht kostenfrei ist. Will man die theoretischen Gewinnchancen nach oben schrauben, müssen umso mehr Lose gekauft werden, und umso höher ist der wahrscheinliche absolute Verlust.

    Risiko und Rendite sind positiv korreliert und seit jeher ein Gesetz des Kapitalmarktes. Keine einzige Gewinnchance an der Börse ist gratis und risikolos. Jede aktive Anlagestrategie, also jeder Versuch, den Markt schlagen zu wollen, verursacht aus einer Ex-ante-Perspektive, ist nur möglich, wenn höhere Risiken eingegangen werden. Bezogen auf die höher eingegangenen Risiken wird im Umkehrschluss ein höheres Renditeniveau erwartet. Diese Vorgehensweise verursacht höhere Handelskosten, die die tatsächliche Rendite schmälern.

    Auf Datenbasis des deutschen Fondsbranchenverbands BVI haben die Analysten von Mars Asset Management nachgerechnet, dass Fondsmanager im Zeitraum von 1996 bis 2013 durch die Kapitalmarktentwicklung zwar eine Rendite von durchschnittlich 5,3 % jährlich erzielen konnten. Tatsächlich liegt die Anlegerrendite aber nur bei 2,8 % jährlich und damit um fast die Hälfte unter der Wertentwicklung, die möglich gewesen wäre. Grund dafür sind vor allem Steuern, Fondsund Handelskosten, die die Rendite schrumpfen lassen.

    Diversifikation leidet

    Um höhere Renditen zu erzielen, muss bei jeder aktiven Strategie auf Konzentration statt auf Diversifikation gesetzt werden. Den Markt, also den Marktdurchschnitt, kann nur übertrumpfen, wer nicht in den gesamten Markt, sondern nur in die einzelnen Wertpapiere, Teilsegmente des Marktes oder in Teilintervalle investiert, also bewusst auf mögliche Diversifikation verzichtet. Man betreibt in irgendeiner Form ein Wertpapier-Picking oder ein Market-Timing**, geht also Wetten gegen den Markt ein. Aktive Strategien enthalten also ein „Trading-Element“, was bedeutet, sie zielen darauf ab, bei Vorliegen bestimmter Bedingungen billig einzukaufen und dann teuer zu verkaufen.

    Nebenkosten unterschätzen

    Dieses Traden kostet jedoch Geld und verursacht zumeist auch zusätzlich Steuern. Je nach Trading-Intensität liegen die dadurch verursachten Kosten für aktive Privatanleger zwischen 2 und 6 % des Portfoliowertes im Jahr, der Durchschnitt etwa bei 3 %, egal ob es sich dabei um Einzelwerte oder Fonds handelt. Dass die hohen Verlustrisiken bei dem Versuch, den Markt schlagen zu wollen, nicht rein theoretischer Natur sind, zeigen die insgesamt enttäuschenden Nettorenditen von Aktienanlegern und Investmentfonds. Nach Angaben des Research-Unternehmens SP Global haben innerhalb der letzten 5 Jahre nur ca. 2 % aller Investmentfonds, die auf weltweite Aktien spezialisiert sind, den breit gefassten Aktienindex MSCI World geschlagen.

    Passiv investieren

    Eine andere Möglichkeit, in den Markt zu investieren, bietet sich über die passive Anlagestrategie. „Passiv“ steht in diesem Zusammenhang für den bewussten Verzicht auf aktive Anlagestrategien wie Stock- Picking* oder Market-Timing** in dem praktisch aussichtslosen, aber riskanten Unterfangen, den Markt zu schlagen. Bei dieser langfristig ausgerichteten Anlagestrategie verzichtet man auf kurzfristige spekulative Investments und laufendes Trading mit dem Ziel, an vermeintlichen Trends zu partizipieren, um eine Überrendite zu erzielen. Beim passiven Investieren setzt man systematisch und breit diversifiziert auf den gesamten globalen Aktien- und Anleihenmarkt. Bei der Umsetzung setzt man auf kostengünstige Indexfonds und ETFs, da diese sehr geringe laufende Kosten haben. Das Ziel, den Markt schlagen zu wollen, wird bei dieser Strategie nicht verfolgt. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass man mit dieser Strategie langfristig über 80 % aller gemanagten Fonds mit aktivem Ansatz hinter sich lässt.

    Überrenditen oft Glückssache

    Ständiges Rein und Raus bringt also keine höhere Rendite; im Gegenteil, die Gebühren für regelmäßiges Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren schmälern die Gewinne nur. Auch wird davon abgeraten, einen Fonds zu kaufen, dessen Manager sich fürs Timing bezahlen lassen. Den Markt genau vorherzusagen und Überrenditen zu erzielen, ist also reine Glückssache, getreu dem Motto des Wirtschaftsnobelpreisträgers Prof. Eugen Fama: „Du kannst den Markt langfristig nicht schlagen, also versuche es erst gar nicht.“

  4. Streuung bringt Sicherheit

    Leave a Comment

    Wie eine Studie der Universität Frankfurt zeigt, ist die mangelnde Streuung des Vermögens einer der Hauptfehler von Anlegern. Knapp 40.000 Depots bei Onlinebanken wurden untersucht und die Ergebnisse in der Zeitschrift Finanztest veröffentlicht. Ungefähr drei Viertel aller Anleger haben teils verheerende Ergebnisse erzielt, da diese teils zu viel auf eine Karte gesetzt und ihr Geld nicht breit gestreut hatten. Die Grundregeln einer guten Anlage sind jedoch nicht schwierig.

    Das Grundprinzip der Diversifikation: „Nicht alle Eier in einen Korb zu legen“, ist ohne Frage eines der wichtigsten Erkenntnisse der Finanzmarktforschung und preisgekrönt noch dazu. Harry Markowitz, ein US-amerikanischer Ökonom, bekam für seine moderne Portfoliotheorie den Nobelpreis. Bereits in den 1950er-Jahren wies der Wirtschaftswissenschaftler nach, dass eine breite Streuung auf mehrere Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Immobilien das Risiko des Vermögens senkt. Anleger sind also gut beraten, wenn sie auf verschiedene Anlageklassen setzen und auch innerhalb dieser ihr Risiko auf unterschiedliche Werte verteilen. Allerdings befolgen diese „Börsenweisheit“ nur wenige Anleger. Die mangelnde Streuung ist einer der häufigsten Fehler von privaten Anlegern und gleichzeitig auch der teuerste, so Professor Andreas Hackethal, Leiter der Studie. Er und sein Team haben über einen Zeitraum von 2005 bis 2015 herausgefunden, dass die geringe Diversifikation den Anleger im Schnitt 4 % seiner Rendite kostet. Gepaart wird dieser Fehler oft mit der Vorliebe für deutsche Aktien, der sogenannten Heimatmarktneigung, und dem übermäßigen Handeln.

    Weniger Rendite bei gleichem Risiko

    Bei der Analyse der oben genannten ca. 40.000 Depots kam heraus, dass Anleger, deren Depot ähnlich stark schwankte wie der Weltaktienindex, in zehnjähriger Anlagezeit eine Rendite von über 8,7 % erzielt hätten. Tatsächlich blieben aber viele deutlich darunter, obwohl sie ein vergleichbares Risiko eingegangen sind. Drei Viertel der Anleger schnitten demnach schlechter ab, als es hätte sein müssen. Bei den meisten fiel der Gewinn geringer aus, andere hatten sogar Verluste. Geld verloren haben vor allem die Anleger, denen gleich mehrere Fehler unterliefen. Sie erzielten statt 5 % Plus pro Jahr ein 5%iges Minus, abgesehen von den teils hohen Produktkosten*.

    Nicht jedes Depot ist automatisch auch diversifiziert

    Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Wissenschaftlern ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran, der sich aus ca. 1.600 Unternehmen zusammensetzt. In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen. Zu einem breit gestreuten Portfolio gehören Aktien als Renditemotor genauso wie Staats- und Unternehmensanleihen als Sicherheitsanker. Alternativ können Immobilien und Rohstoffanteile wie Gold oder ein breiter Rohstoffkorb dosiert dazu gemischt werden. Für langfristig orientierte Anleger bleibt der Grundsatz bestehen, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Wie viel Gewicht die einzelnen Körbe haben, hängt von der Anlagedauer, vom Alter und von der Risikobereitschaft des Anlegers ab.

    Die richtigen Schritte sind entscheidend

    Bevor man sich allerdings an die Zusammensetzung des Portfolios macht, ist der erste Schritt die Ermittlung der Risikobereitschaft. Dieser Schritt ist auch der wichtigste: Man muss zunächst entscheiden, wie viel Risikobereitschaft das Portfolio beinhalten darf. Das macht man, indem man das Verhältnis von risikobehafteten (Aktien/Rohstoffe/Immobilien) zu risikoarmen Wertpapieren (Staats- und Unternehmensanleihen) festlegt. Wer dies nicht beachtet, hat die Weichen für die Zukunft bereits hier schon falsch gestellt und wird langfristig selten sein Ziel erreichen.

    Im zweiten Schritt wählt man die Anlageklassen aus, aus denen man das Portfolio zusammenstellen will. Unter den Anlageklassen wählt man solche aus, die möglichst unabhängig voneinander sind. Historisch gesehen waren das sichere Anleihen und wachstumsstarke Aktien. Diese bilden das Rückgrat jedes gut diversifizierten Portfolios und sollten den Großteil ausmachen. Rohstoffe und Immobilien gehen ebenfalls nicht immer im Gleichklang mit diesen beiden, sind aber grundsätzlich zur Diversifikation geeignet.

    Im dritten Schritt muss die Auswahl der passenden Zielmärkte/ Indizes getroffen werden. Dabei sollte sich die Basisanlage im risikobehafteten Teil mit den Standardmärkten USA, Schwellenländer, Europa und Asien zusammensetzen. In der nächsten Stufe kann man den Aktienteil nach kleinen, mittleren und großen Aktienunternehmen weiter optimieren. Den risikoarmen Anteil können Anleger auf europäischen Staats- und Unternehmensanleihen gewichten oder bauen noch zusätzlich globale Anteile wie US-Anleihen dazu.

    Das passende Instrument wählen

    Nach Auswahl der Anlageklassen und der Zielmärkte sucht man jetzt nach den passenden Anlageinstrumenten, die diesen Markt abbilden und über die man als Anleger investieren kann. Als Hobbybörsianer könnte man mit großem Zeitaufwand Informationen zu Aktiengesellschaften und Börsentrends sammeln, um ein aussichtsreiches Portfolio zusammenzustellen. Allerdings geht laut der Analyse von Professor Hackethal das meistens schief. Alternativ bietet die Finanzwelt Anlegern etliche Produktmöglichkeiten wie z. B. aktiv gemanagten Fonds, Zertifikate oder diverse Lebensversicherungsprodukte. Allerdings sind diese Lösungen in der Regel alles andere als breit gestreut und dazu auch noch sehr teuer, sodass Anleger im Ergebnis von vornherein deutlich unter den möglichen Marktrenditen liegen.

    Auf kostengünstige und breit gestreute Indexfonds (ETFs) wird eher selten hingewiesen, obwohl Anleger damit die typischen Fehler einfach vermeiden könnten. Dieses einfache Instrument bietet die ideale Lösung, denn egal wie gut sich Anleger auskennen, sie werden am Ende kaum mehr herausholen als mit einem ETF, der denselben Markt abbildet. Das Konzept von ETF ist simpel: Die Indexfonds stellen mit dem Geld der Anleger ein Portfolio an Wertpapieren zusammen, das sich so entwickelt wie ein Börsenindex. Dabei können Anleger zwischen Aktien, Anleihen und Rohstoffmärkten wählen und extrem breit gestreut am Kapitalmarkt investieren. Ein perfekt konzipiertes Indexportfolio ist somit in bis zu 10.000 Werten global investiert und liefert dem Anleger somit kostengünstig die weltweiten Marktrenditen.

    Besser als der Markt – eher Glückssache

    Anleger wollen ihr Geld vermehren und besser abschneiden als der Markt. Warum hat jedoch das eine Viertel der Anleger eine bessere Rendite erzielt als die anderen drei Viertel? Laut Andreas Hackethal war das in den meisten Fällen Glücksache! Vielleicht hatten ein paar wenige tatsächlich einen Informationsvorteil, doch es ist fraglich, ob sich das wiederholen lässt. Letztendlich können nur einige wenige diesen Informationsvorteil haben, nie alle. Das Erfolgsrezept gibt es also nicht und deshalb erklärt die richtige Mischung die Rendite.